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Provokation: Gremium MC Ableger im Black Rider Revier // Schwarzwald
Nach dem Rückzug der Red Devils aus Schwenningen ist in die doppelstädtische Rockerszene wieder Bewegung gekommen. In Villingen hat sich nun der MC Gremium niedergelassen – genau vor der Nase der in Villingen-Schwenningen etablierten Black Rider. Das riecht nach Ärger.
Polizeidirektor Wössner: "Wir greifen hart durch"
Villingen-Schwenningen (rat) „Eine Familie – ein Weg – eine Bruderschaft – ein Leben“ – so bringen die Mitglieder des Villinger Gremium MC ihre Philosophie auf den Punkt. Im November hat der Rockerclub von Rottweil aus den neuen Ableger im Oberzentrum gegründet. Das neue Chapter – so bezeichnen die Motorradclubs ihre „Ortsvereine“ – haben sie im Revier der vor Ort etablierten Black Rider eröffnet und auch gleich mal die Muskeln spielen lassen. So hätte es im Dezember in der Bahnhofstraße beinahe geknallt, als sich beide Gruppierungen dort gegenüber standen. Einzelne der Streithähne sollen schon Messer gezückt haben, doch konnte die Polizei eine gewalttätige Auseinandersetzung verhindern.
Dennoch: Villingen-Schwenningen stehen in der Rockerszene ganz offensichtlich neue Streitigkeiten ins Haus. Insider bewerten den Schritt des Gremium nach Villingen als gezielte Provokation der Lokalmatadoren, den „Blackys“. Dass die Rottweiler überhaupt auf neues Terrain vorgestoßen sind, dürfte sicherlich auch am überraschenden Rückzug der Red Devils aus Schwenningen liegen, die über wesentlich mehr Potenzial verfügt haben als die Black Rider.
Tatsächlich haben sich die Devils, eine Art „Ausbildungsverein“ der berüchtigten Hells Angels, vor Monaten relativ still aufgelöst, nachdem sie zuvor den in Schwenningen ansässigen Outlaws lange das Leben schwer gemacht hatten. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war eine große Prügelei während der langen Kulturnacht, bei der sich die Schwenninger Outlaws einer großen Übermacht von Hells Angels und Red Devils gestellt und ordentlich Prügel bezogen hatten.
Nachdem die „Roten Teufel“ nun die lokale Szene verlassen haben – die meisten ihrer Mitglieder haben sich den südlichen Chaptern der Hells Angels in Singen und Konstanz angeschlossen – kann sich nun der Gremium MC im Oberzentrum positionieren. Der hat unter den organisierten Bikern mit über 100 Chaptern ähnliches Gewicht wie die berühmt-berüchtigten internationalen Clubs, den Hells Angels, Outlaws oder Bandidos. Zu erkennen sind die Gremium-Mitglieder an ihren schwarz-weißen Outfits mit dem Logo des Clubs: einer Faust, die durch die Wolken stößt.
Gremium wurde 1972 in Mannheim in der ersten Welle deutscher Rockerclubs gegründet. Ab Ende der 90er-Jahre begann der Aufstieg der Schwarz-Weißen, als alle großen Clubs im Zuge einer aggressive Expansionspolitik danach trachteten stark zu wachsen, indem sie hauptsächlich mittelgroße Regionalclubs mit nur einem oder zwei Chaptern übernahmen. In diesem Zeitraum gingen auch die in der Region bekannten „Bones“ im Gremium MC auf, der besonders in Ostdeutschland und darüber hinaus in Ost- und Südosteuropa schnell Fuß fasste. Die Black Rider hingegen sind ein paar Nummern kleiner, haben hier in der Gegend Chapter in Villingen, Donaueschingen und Bad Dürrheim, ebenso in Rottweil und Schramberg.
Beim Villinger Chapter hat der Vorstoß von Gremium für einen handfesten Hauskrach gesorgt, in dessen Verlauf der langjährige Präsident Bernd „Hacky“ Hartlieb dem Vernehmen nach zurücktreten musste – Mitglieder seiner Black Rider hatten ihm vorgehalten, sie in der Konfrontation mit Gremium im Stich gelassen zu haben. Eine Begebenheit, an der sich die Rottweiler Gremium-Rocker auf ihrer Homepage unter dem Stichwort „Villingen-Tour“ ergötzen.
Für die zahlenmäßig weit unterlegenen Black Rider indes hätte dieses Treffen, wäre es damals zu Handgreiflichkeiten gekommen, bestenfalls mit blauen Flecken geendet. Erst vor kurzem haben zwei ihrer Mitglieder auf einer Rocker-Party im Raum Offenburg erfahren müssen, dass die Konkurrenz keine Samthandschuhe trägt. „Was ich da erlebt habe, hat mich schlichtweg schockiert. Ich bin nun schon fast 30 Jahre in der Szene unterwegs – aber so was!“, empört sich ein Sympathisant im Online-Gästebuch der Villinger Black Rider.
Den Zwischenfall beschreibt er so: „Ein namhafter großer deutscher MC hatte mit einem Aufgebot von über 150 Mann einen ganz starken Auftritt. Ohne Vorwarnung wurden eure beiden Member in Grund und Boden getreten!“ Die beiden Villinger Black Rider seien „kurz und klein“ geschlagen worden, „nicht Mann gegen Mann, sondern mindestens 20 auf einen“. Dass die Rocker von Gremium MC harte Kerle sind, stellen sie im Internet zur Schau, wo viele Solidaritätsadressen mit inhaftierten „Brüdern“ zu finden sind. Haftstrafen zu kassieren ist in Rockerkreisen nicht etwa eine Schande, sondern Ausdruck der Konsequenz des Anderseins.
Rockerszene: Momentan herrscht "Waffenstillstand"
Villingen-Schwenningen (rat) „Wir werden hart durchgreifen“, hat Polizeidirektor Roland Wössner in unserer gestrigen Ausgabe abgekündigt. Zuvor hat er dies auch den Chefs der in Villingen rivalisierenden Rockerbanden Black Rider und Gremium MC klar gemacht. Wössners deutliche Ansage blieb nicht ohne Wirkung. Zumindest bei Black-Rider-Präsident Bernd „Hacky“ – um ein Zeichen zu setzen legte er vorübergehend sein Amt nieder. Auf Druck seiner Leute sei dies aber nicht erfolgt, betont Hartlieb.
In der Szene hatte es geheißen, er sei zum Rücktritt gedrängt worden, weil er sich, als die Black Rider mit den Gremium-Rockern einen Beinahe-Zusammenstoß hatten, nicht korrekt verhalten habe. „Nein, nein“, meint Hartlieb, der das Villinger Chapter der Black Rider 28 Jahre lang angeführt hat und zu den Gründungsmitgliedern des Motorradclubs gehört: „Unsere Mitglieder stehen voll hinter mir.“ Hartlieb wollte vielmehr aus eigenem Antrieb vorerst nicht mehr Präsident sein, wollte die exponierte Stellung loswerden. Auf der Basis des novellierten Polizeigesetzes werde man auch empfindliche Bußgelder verhängen, hatte Polizeidirektor Wössner für den Fall gedroht, dass die Rocker gegen Auflagen der Polizei verstoßen.
Und das war Bernd Hartlieb, der wie alle seine Clubkollegen bürgerlich lebt und ehrlich arbeitet, dann doch zu heiß – sein privates Risiko, im Zuge einer Rockerfehde für mögliche Straftaten verantwortlich gemacht zu werden, erschien ihm einfach zu hoch: „Wenn was passiert und die keinen finden, gehen die halt an den Chief“, sagt er über die Polizei.
Eine Einschätzung, die auf persönlichen Erfahrungen des Black-Rider-Chefs beruht: Als in Schwenningen vor knapp zwei Jahren auf die Tür eines Lokals geschossen wurde, wurde gegen Hartlieb ermittelt. Die Logik: Der Betreiber des Lokals wurde den Schwenninger Outlaws zugerechnet, die kurz zuvor Differenzen mit Hartliebs Gruppe gehabt hatten. „Dass alles auf mich zurückfällt“ – das braucht „Hacky“ jetzt, wo es brodelt, nicht noch mal.
Obwohl er offiziell nicht mehr vorausfährt, zieht der Mann im Hintergrund die Fäden. Als Gremium Ende letzten Jahres nach Villingen expandierte, machte Hartlieb im Gegenzug ein neues Black-Rider-Chapter in Rottweil auf – mitten im Revier der Konkurrenz. Nun aber sollen die Differenzen zwischen den beiden Motorradclubs einvernehmlich gelöst werden. Momentan herrscht „Waffenstillstand“.
suedkurier
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